
Automatisierung
Geschäftsprozesse in Schweizer KMU automatisieren ohne Fehler
2024 nutzten 22 % der Schweizer KMU KI, 2025 waren es 34 %, was einem Anstieg von 55 % entspricht. Die 50-Prozent-Marke könnte 2026 überschritten werden.
Warum jetzt automatisieren – und was das für ein Schweizer KMU wirklich ändert
Im Jahr 2024 nutzten 22 % der Schweizer KMU KI, im Jahr 2025 waren es 34 %, was einem Anstieg von 55 % entspricht. Die 50-Prozent-Marke könnte 2026 überschritten werden.
Im Jahr 2025 gaben 57 % der Schweizer Arbeitgeber an, dank KI eine verbesserte Effizienz zu erzielen, im Vorjahr waren es 46 %. KMU, die KI eingeführt haben, berichten von durchschnittlich acht eingesparten Stunden pro Woche bei repetitiven Aufgaben.
45 % der KMU sehen in KI mittlerweile einen strategischen Vorteil, das sind zehn Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Der Anteil der Unternehmen, die KI noch nie genutzt haben, sank von 45 % auf 29 %.
Der Bedarf an Digitalisierung bleibt hoch: Zwei Drittel der Schweizer Unternehmen haben einen dringenden Handlungsbedarf, und 26 % weisen massive Defizite auf. Bis zu 11 % der administrativen Stellen könnten in den kommenden Jahren automatisiert werden, insbesondere in den Bereichen Finanzen, IT und Backoffice.
Entwicklung der KI-Einführung in Schweizer KMU (2024–2026)
- 202422 % der Schweizer KMU nutzen KI
- 202534 % der Schweizer KMU nutzen KI (+55 %)
Die richtigen Prozesse wählen: Wo Automatisierung lohnt, ohne zu destabilisieren
Beginnen Sie mit repetitiven, strukturierten, zeitaufwändigen und fehleranfälligen Aufgaben: Datenerfassung, Follow-up-E-Mails oder wiederkehrende Berichte. Die manuelle Neueingabe derselben Informationen in verschiedene Softwarelösungen, häufig gestellte Fragen und Dokumente, die oft neu zusammengesetzt werden müssen, sind ebenfalls gute Kandidaten.
In der Verwaltung kann die automatische Extraktion Rechnungen, Verträge und Formulare lesen und die Informationen an das Buchhaltungssystem übermitteln. Im Personalwesen umfassen die betroffenen Prozesse die Rekrutierung, das Onboarding, die Lohnabrechnung, die Absenzenverwaltung, die Spesenabrechnungen und die obligatorischen Meldungen.
Auch die E-Mail-Sortierung und häufig gestellte Fragen eignen sich zur Automatisierung: Ein Chatbot kann Standardanfragen bearbeiten und komplexe Fälle an einen Mitarbeiter weiterleiten. Ein automatisierter Telefonassistent kann Nachrichten entgegennehmen und Anrufe weiterleiten.
Um Workflows zwischen Anwendungen zu automatisieren, verbindet Power Automate (Microsoft 365) Microsoft-Anwendungen, während Zapier und Make Tausende von Webanwendungen ohne Code verbinden. Für das Personalwesen ist Lucca ein Beispiel für eine HR-Software, die je nach angestrebten Prozessen geprüft werden sollte.
Vergleichen Sie die Lösungen basierend auf dem zu bearbeitenden Prozess und den bereits vorhandenen Systemen. Gehen Sie einen Prozess nach dem anderen an, ohne sofort eine Migration oder ein Plattformprojekt zu starten.
Automatisierungstools für Schweizer KMU: Schlüsselfertiger Vergleich
- Power Automate (Microsoft 365)
- Native Integration mit Microsoft-Tools; ideal für interne Workflows
- Zapier & Make
- Codefreie Verbindung zu Tausenden von Webanwendungen; hohe Flexibilität
- Lucca (HR-Software)
- Spezialisiert auf Personalwesen: Onboarding, Lohnabrechnung, Absenzen, Spesen
Die Pilotmethode: Klein testen, messen, erweitern
Erstellen Sie eine Karte der Prozesse in den Abteilungen, priorisieren Sie schnelle Gewinne und beginnen Sie mit einem einfachen Prozess. Analysieren Sie die Bedürfnisse, erstellen Sie das Pflichtenheft, vergleichen Sie die Lösungen und wählen Sie ein geeignetes Tool aus.
Beschränken Sie den Pilotversuch auf einen einzigen Prozess und legen Sie vor dem Start seinen Umfang, seine Dauer und die verantwortliche Person fest. Beschreiben Sie den Auslöser, die Geschäftsbedingungen und die auszuführenden Aktionen; sehen Sie auch eine Warnung und eine manuelle Übernahme vor, falls die Automatisierung fehlschlägt.
Verfolgen Sie drei Kennzahlen: die pro Woche eingesparten Stunden, die Fehlerrate vor und nach der Einführung sowie die Bearbeitungszeit. Ein Berner Grossist, der 500 Rechnungen pro Monat bearbeitet, konnte seine Fehlerrate von 5 % auf weniger als 0,5 % senken.
Vergleichen Sie die Lösungen anhand der Gesamtkosten, der Integration mit der bestehenden Buchhaltung oder HR-Software, des Speicherorts der Daten und des Supports in Französisch. Sobald die Einsparungen gemessen sind, erweitern Sie das Tool auf benachbarte Prozesse und durchlaufen Sie denselben Messzyklus erneut.
Pilotmethode: Schlüsselschritte für eine erfolgreiche Automatisierung
- Prozess kartierenBetroffene Abteilungen identifizieren und schnelle Gewinne priorisieren
- Einen einfachen Prozess wählenUmfang, Dauer und Verantwortlichen vor dem Start festlegen
- Kennzahlen definierenEingesparte Stunden, Fehlerrate, Bearbeitungszeit
- Messen und anpassenErgebnisse mit dem initialen Schwellenwert vergleichen, entscheiden, ob erweitert oder gestoppt wird
- Schrittweise erweiternZyklus für den benachbarten Prozess wiederholen
Klassische Fallstricke: Einen schlechten Prozess automatisieren, Change Management vernachlässigen
Gehen Sie nicht vom Tool aus: Beschreiben Sie zuerst den Bedarf und den Prozess, erstellen Sie dann das Pflichtenheft, bevor Sie die Lösungen vergleichen. Ein zu früh gewähltes Tool riskiert, eine schlecht definierte Aufgabe zu automatisieren.
Die Datenqualität bestimmt das Ergebnis. Um Rechnungen automatisch zu verarbeiten, prüfen Sie, ob die Dokumente verwertbar sind und ob die Lieferantenreferenzen sauber und stabil sind.
Planen Sie Zeit für die Mitarbeitenden ein: Mangelndes Know-how, begrenzte finanzielle Ressourcen und fehlende Zeit bremsen die Digitalisierung einiger Schweizer KMU. Erklären Sie, was sich ändert, und schulen Sie die Personen, die das Tool nutzen werden.
Benennen Sie eine verantwortliche Person für den Prozess und legen Sie die Kennzahlen vor dem Pilotversuch fest. Ohne Eigentümer oder Ausgangsmessung ist es schwierig zu beurteilen, ob das Ergebnis eine Erweiterung rechtfertigt.
Ein schlecht konzipierter Prozess behält seine Mängel auch nach der Automatisierung bei und kann seine Fehler sogar schneller produzieren. Der Pilotversuch ermöglicht es, diese zu erkennen, bevor das Tool allgemein eingeführt wird.
Vorteile vs. Risiken der Automatisierung in einem Schweizer KMU
- VorteileZeitgewinn, Reduktion von Fehlern, bessere Datenqualität, verbesserte Mitarbeitererfahrung
- RisikenAutomatisierung eines schlecht definierten Prozesses, schlechte Datenqualität, Widerstand der Teams, Nichteinhaltung des nDSG
Fünf konkrete Automatisierungen für ein KMU in der Schweiz
Kundenservice: Eine Treuhandfirma mit 15 Mitarbeitenden in Lausanne hat einen Chatbot auf ihrer Website installiert. Er bearbeitet automatisch 70 % der Fragen zu Öffnungszeiten, benötigten Dokumenten und dem Status von Dossiers; die Mitarbeitenden sparen durchschnittlich acht Stunden pro Woche, die in die Beratung reinvestiert werden.
Lieferantenrechnungen: Ein Lebensmittelgrosshändler in der Region Bern bearbeitet 500 Rechnungen pro Monat durch automatische Extraktion. Jedes Dokument wird in wenigen Sekunden gelesen, kategorisiert und in das Buchhaltungssystem integriert, wobei die Fehlerrate von 5 % auf weniger als 0,5 % gesenkt wurde.
Verkaufsprognose: Ein Zürcher Online-Händler nutzt KI, um die Nachfrage produktweise vorherzusagen. Durch die Optimierung seiner Lagerbestände konnte er seine Lagerkosten um 20 % und seine Lieferengpässe um 35 % reduzieren.
Übersetzung: Ein Dienstleistungsunternehmen in Freiburg übersetzt seine interne Kommunikation und Kundendokumentation automatisch ins Französische, Deutsche und Englische, mit minimaler menschlicher Korrektur.
E-Mail-Sortierung: Eine Genfer Anwaltskanzlei hat die Sortierung ihrer eingehenden E-Mails automatisiert, um Anfragen vor der Weiterleitung zu klassifizieren.
Budget, reale Kosten und ROI: Was ein KMU erwarten kann
Einige KI-Tools sind bereits ab CHF 0 pro Monat verfügbar. Für eine massgeschneiderte Automatisierungsleistung zeigt Corpcore eine Investition von CHF 2'000 bis 8'000 je nach Komplexität auf: CHF 2'000 bis 4'000 für einen Prozess und CHF 4'000 bis 8'000 für mehrere Prozesse.
Die von Corpcore präsentierten Leistungen umfassen die Projektdefinition, Entwicklung, Tests, Dokumentation und das monatliche Performance-Monitoring. Für ein KMU mit 10 bis 50 Mitarbeitenden wird der erste Einsatz für einen Prozess auf CHF 2'000 bis 4'000 geschätzt.
Corpcore schätzt den Return on Investment (ROI) auf zwei bis vier Monate, wenn die Automatisierung die erwarteten Einsparungen generiert. Für ein KMU mit 10 bis 50 Mitarbeitenden werden die geschätzten Einsparungen über 12 Monate durch eingesparte Arbeitsstunden auf CHF 4'800 bis 14'400 beziffert.
Addieren Sie zum Budget die interne Zeit, die Übernahme bestehender Daten und die Schulung. Diese Positionen müssen in die Berechnung der Gesamtkosten einfliessen, auch wenn ihr Betrag vom Projekt abhängt.
Legen Sie vor dem Start einen Erfolgsschwellenwert in Bezug auf gewonnene Stunden, vermiedene Fehler oder reduzierte Bearbeitungszeit fest. Wenn der Pilotversuch diesen nicht erreicht, passen Sie den Prozess an oder stoppen Sie ihn, statt ihn ohne Ergebnis zu verallgemeinern.
Daten, Vertraulichkeit und Governance: Die Schutzmassnahmen vor der Einführung
Das revidierte Bundesgesetz über den Datenschutz, genannt nDSG, ist seit dem 1. September 2023 in Kraft. Es betrifft Unternehmen, die personenbezogene Daten verarbeiten; prüfen Sie daher den Datenschutz vor dem Kauf und der Einführung eines Tools.
Identifizieren Sie die verarbeiteten personenbezogenen Daten und die Rollen des Unternehmens und des Anbieters. Ein Cloud-Anbieter, der Daten im Auftrag des Unternehmens verarbeitet, handelt als Auftragsverarbeiter; das Unternehmen muss prüfen, ob dieser die Sicherheit der Daten garantieren kann.
Führen Sie ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und prüfen Sie, ob eine Verarbeitung mit hohem Risiko eine Folgenabschätzung erfordert. Im Falle einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten muss die Meldung an den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) unverzüglich erfolgen.
Erkundigen Sie sich, wo die Daten gespeichert sind, wer Zugriff hat, wie lange sie aufbewahrt werden und wie sie am Ende des Vertrags gelöscht werden. Prüfen Sie auch die Subunternehmer und stellen Sie im Falle der Weitergabe von Daten ins Ausland sicher, dass ein angemessener Schutz oder geeignete Garantien bestehen.
SIDD bietet KMU Audit-, Dokumentations- und Schulungsleistungen zur Einhaltung des DSG an. Für eine Schweizer Bank mobilisierte ein Projekt zur Verwaltung und Löschung von Daten 14 Tage lang einen Data-Spezialisten.
Wichtige Prüfungen vor der Einführung eines Automatisierungstools
- Speicherort der DatenKlären, wo die Daten gespeichert sind und wer Zugriff hat
- Subunternehmer und Übermittlungen ins AuslandVorhandensein angemessener Garantien prüfen
- Folgenabschätzung bei hoher RisikoverarbeitungGemäss den Anforderungen des nDSG durchzuführen
- Audit und Schulung zur DSG-ComplianceVon SIDD für KMU angeboten
Die Automatisierung von den Teams akzeptieren lassen
Schulen Sie die Mitarbeitenden in der Nutzung der Tools und planen Sie regelmässige Check-ins während der Pilotphase. Die kontinuierliche Schulung hilft den Teams, auf dem neuesten Stand zu bleiben und Anwendungsfehler zu vermeiden.
Die HR-Automatisierung kann die Mitarbeitererfahrung verbessern und den Austausch zwischen den Abteilungen flüssiger gestalten. Diese Effekte können im täglichen Arbeitablauf sichtbar werden, bevor sie in den Kennzahlen erscheinen.
Entscheiden Sie im Voraus, wozu die freigesetzte Zeit genutzt wird. In der Lausanner Treuhandfirma werden die acht wöchentlich gewonnenen Stunden in die wertschöpfende Beratung reinvestiert.
Bis zu 11 % der administrativen Stellen könnten in den kommenden Jahren automatisiert werden, insbesondere in den Bereichen Finanzen, IT und Backoffice. Diskutieren Sie mit den betroffenen Teams über die Aufgaben und Stellen, die sich verändern werden.
Realistischer Fahrplan für die nächsten 6 bis 12 Monate
Monat 0 bis 1: Wählen Sie ein oder zwei repetitive und zeitaufwändige Prozesse aus, analysieren Sie die Bedürfnisse und erstellen Sie das Pflichtenheft. Vergleichen Sie dann zwei oder drei Lösungen hinsichtlich ihrer Kosten, Integration, Datenspeicherung und des Supports in Französisch.
Monat 1 bis 3: Starten Sie den Pilotversuch mit einem einzigen Prozess. Legen Sie vor dem Start seinen Umfang, seine Dauer, die verantwortliche Person und die Regeln für die Datenverarbeitung fest.
Monat 3 bis 6: Messen Sie die pro Woche gewonnenen Stunden, die Fehlerrate und die Bearbeitungszeit. Vergleichen Sie die Ergebnisse mit dem vor dem Pilotversuch definierten Schwellenwert und entscheiden Sie, ob fortgefahren, angepasst oder gestoppt wird.
Monat 6 bis 12: Wenn die Kennzahlen stimmen, erweitern Sie das Tool auf den benachbarten Prozess und dann auf die folgenden. Wiederholen Sie bei jedem Schritt denselben Zyklus: Umfang definieren, Ergebnisse messen und entscheiden.
Planen Sie regelmässige Kontrollpunkte, beispielsweise vierteljährlich. Diese ermöglichen es, die Ergebnisse zu überprüfen und die Zugriffe, die verarbeiteten Daten und die Akzeptanz durch die Teams erneut zu prüfen.

